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Full Throttle Remastered

Full Throttle aus dem Jahr 1995 ist zurück auf dem Highway der Grafik-Adventures und erhält nach Grim Fandango und Day of the Tentacle eine Neuauflage mit aufpolierter Grafik, neuem Sound und sogar 4K-Unterstützung von Double Fine Productions spendiert.

Asphalt und Trouble

In Full Throttle spielen wir Ben Throttle, Anführer der Motorrad-Gang The Polecats, der gerade noch mit seinem Motorrad auf der Straße unterwegs war und in einer Bar zufälligerweise Bekanntschaft mit dem letzten Motorrad-Hersteller Malcom Corley und seinem zwielichtigen Stellvertreter Ripburger macht. Dieser will an die Spitze des Unternehmens und das Firmenprofil zur Herstellung von Minivans hin zu ändern. Da er dies aber nicht mit ehrlicher Arbeit vollbringen kann, tötet er kurzerhand seinen Boss und schiebt den Polecats den Mord in die Schuhe. Im Prolog schafft Ben es zu entkommen, doch er wurde betrogen, sein Motorrad zerstört, seine Gang zerschlagen und er muss fortan versuchen, seine Unschuld zu beweisen und die Neuausrichtung von Corley Motors zu verhindern.

On the Road again

Das original Spiel aus dem Jahr 1995, welches in Deutschland unter dem Titel Vollgas erschien, verwendete das neue, mit Sam & Max Hit the Road eingeführte Bedienkonzept, das den ganzen Bildschirm für die Spielgrafik nutze und Aktionen und das Inventar nur auf Bedarf einblendete. Obwohl Full Throttle ein klassisches Adventure war, das auf Kombinations- und Dialogrätsel fokussiert war, gab es hier und da kleinere Actioneinlagen, in denen man gegnerische Gangmitglieder von ihren Maschinen befördern musste. An dem klassischen Bedienkonzept hat sich in der Remastered-Version nichts geändert.

Das Actionmenü im Einsatz – Classic

Klicken wir auf einen Hotspot, erscheint ein Interaktionsmenü mit vier kontextsensitiven Möglichkeiten – Mund, Augen, Hand und Stiefel.  Also: Reden, Betrachten, Benutzen und in den Hintern treten. Letzteres können wir aber auch für das Öffnen von Türen benutzen, denn als echter Rocker treten wir diese einfach ein. Obwohl Ben Throttle den harten Kerl mimt, steckt hinter seiner harten Schale ein weicher Kern, was im Laufe des Spiels immer mehr zum Ausdruck gebracht wird. Anders als in der original Version können wir uns nun Hotspots anzeigen lassen, mit denen wir interagieren können. Wer sich auf eine nostalgische Zeitreise begeben möchte, kann im laufenden Spiel zwischen der klassischen Grafik und der Remastered Version hin- und herswitchen.

Mo hat unseren Feuerstuhl repariert

Mehr Action als Kopfnüsse?

Full Throttle ist im Gegensatz zu anderen LucasArts-Adventures ein Spiel mit wenig anspruchsvollen Rätseln und sogar einer der kürzesten Titel seiner Zunft. Passionierte Spieler sollten das Spiel in knapp fünf Stunden beendet haben. Das Spiel ist eher in kleinere Abschnitte unterteilt, in denen wir bestimmte Aufgaben lösen müssen. Obwohl Full Throttle nicht gerade zu den umfangreichsten Adventures gehört, macht die Stimmung im Spiel dieses Manko wieder wett. Einen besonderen Teil zur Atmosphäre trägt der Soundtrack der Rockband The Gone Jackals bei. Während wir mit unserem Bike auf dem Highway cruisen und deftiger Rocksound aus den Boxen dröhnen, genießen wir eine kurze Zeit die Freiheit, die uns um die Nase weht. Full Throttle ist eher ein interaktives Roadmovie, das mehr Wert auf eine cineastische Inszenierung, als auf Rätseldichte und Kopfnüssen legt. Ein weiters Highlight der Remastered Version ist die durch und durch gelungene Sprachausgabe. Alle Stimmen passen perfekt zu den Protagonisten, sowohl im  englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung.

Erstmal ein Bierchen

Fazit

Gerade mir als großer Fan der alten LucasArts-Spiele hat es sehr viel Spaß gemacht, Full Throttle noch einmal zu spielen. Obwohl ich das Original noch besitze, komme ich jedoch nicht wirklich dazu die alten CDs zu entstauben und das Spiel zu installieren. Daher bin ich immer wieder begeistert, wenn ein Meisterwerk der goldenen Computerspielzeiten neu überarbeitet wird und auf vielen Plattformen läuft. So kommen wir Retro-Liebhaber auf unsere Kosten, aber auch neue Spieler haben die Möglichkeit Meilensteine der Adventure-Spiele zu erleben. Genau so ein Meilenstein ist auch Full Throttle. Die grafische Überarbeitung ist perfekt gelungen und behält den Stil des Originals  bei. Leider hat sich an den negativen Punkten auch nach 20 Jahren nichts geändert. Haben mich damals die Actionsequenzen schon genervt, ist das heute immer noch so. Für mich gehören sie einfach nicht in ein Adventure. Auch die relativ schwache Rätseldichte ist leider ein Negativpunkt.

Dieses Review erschien auch auf Polyradar.de

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